Hinter jeder erfolgreichen digitalen Transformation steht eine menschliche Komponente, die häufig übersehen wird. Viktoria Mauz, Account Managerin bei Nokia, zeigt in ihrem Werdegang, dass technischer Erfolg nur dann nachhaltig ist, wenn er die Menschen im Unternehmen mitnimmt.
In unserem Gespräch erläutert Viktoria, wie ein wirtschaftlicher Hintergrund zur Leidenschaft für Technologie führte und warum sie davon überzeugt ist: «Technologie ist nur ein Werkzeug. Der Mensch steht im Zentrum.»
Vom BWL-Studium zur Technik-Leadership
Nach einem technischen Abitur entschied sie sich für ein duales Studium in Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. «Ich wollte unbedingt den Link zum Unternehmen haben und wissen, was ich an der Universität lerne, auch in der Praxis anwenden kann», erklärt sie.
Ihre erste Station führte sie in die Automobilbranche, wo sie im Metallverarbeitungsbereich und später gemeinsam mit Audi an der Entwicklung des Powertrains für die heutigen Elektrofahrzeuge arbeitete. Es folgte eine Zeit bei Liebherr, wo sie im Bereich Diesel- und Wasserstoffmotoren arbeitete.
Doch in der Produktion stiess sie auf ein fundamentales Problem: Die Digitalisierung stockte. Trotz vorhandener Tools blieben Prozesse manuell und ineffizient. «Warum gehen so viele Digitalisierungsinitiativen nicht voran?», fragte sie sich.
Diese Fragestellung führte dazu, nebenberuflich zu promovieren. Ihre vierjährige Forschungsarbeit konzentrierte sich auf die digitale Transformation. Sie arbeitete später bei einer Consulting-Firma, wo sie kundenspezifische Applikationen im Industriebereich entwickelte, und schaffte schliesslich den Sprung in die reine Softwarebranche. Ihr Ziel: Die zwei Welten, Hardware und Software, zu verbinden. Bei Nokia hat sie nun die Chance, genau das zu tun, indem sie Infrastruktur aufbaut, um Digitalisierung voranzutreiben.
Das Dreieck der Veränderung: Technologie, Mensch, Kultur
Viktoria hat eine klare Strategie für jede Veränderung. Sie definiert ein „Dreieck der Einflussfaktoren»: Technologie (z. B. KI, Cloud, Netzwerke), Mensch und Unternehmenskultur. «Wenn ich aktiv etwas verändern will, starte ich nicht beim Tool, sondern bei den Menschen und der Kultur», erklärt sie.
Ein greifbares Beispiel hierfür liefert ihre Arbeit mit autonomen Fahrzeugen in der Produktion. Die technologische Grundlage war vorhanden: ein zellulares Netzwerk, das eine durchgehend stabile und sichere Verbindung für die autonom fahrende Lieferfahrzeuge gewährleistet. Doch Mitarbeitende befürchteten Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung und zweifelten an der Zuverlässigkeit der Fahrzeuge.
Die Lösung lag nicht in einem besseren Algorithmus, sondern im Dreieck-Ansatz. Statt die Technik einfach zu installieren, setzten sie auf einen Proof of Concept (POC) direkt vor Ort. Sie zeigten den Mitarbeitenden live, wie das System funktioniert: «Wir zeigen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, hey, das funktioniert, du wirst entlastet, du wirst unterstützt.» Erst durch diese direkte Erfahrung und den Dialog gelang es, die Angst abzubauen und die Mitarbeiter mitzunehmen. «Es geht nicht darum, alles neu zu machen, sondern darum, die Leute zu unterstützen», so Viktoria.
Erst wenn die Kultur stimmt und die Menschen Vertrauen fassen, entfaltet die Technologie ihre wahre Kraft.
Human-Centered Digital Transformation: Sicherheit und Empowerment
Ein zentrales Thema in Viktorias Arbeit ist die Human-Centered Digital Transformation. Am 5. Mai 2026 hielt sie einen Vortrag zum Thema Powerhouse of a Human-Centered Digital Transformation bei Swiss ICT. «Es geht nicht darum, ein neues Werkzeug auszurollen, sondern darum, Mitarbeitende zu unterstützen», betont sie.
Ein Unternehmen ist ein Ökosystem. Um Erfolg zu haben, müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigt werden. Dazu gehört eine gelebte Fehlerkultur. «Jeder Mensch macht Fehler. Wie geht das Unternehmen damit um? Wenn Mitarbeitende alles dreimal durchdenken und Angst haben, voranzugehen, fehlt die Kultur, die es zulässt, schnell auszuprobieren», so Viktoria Mauz.
Ein Unternehmen ist ein Ökosystem. Um Erfolg zu haben, müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigt werden.
Sie spricht auch die Angst an, die viele Leute bei neuen Tools haben. «Was bedeutet das für mich, wenn jetzt ein neues Tool kommt? Wird es nur eingeführt, weil gespart werden soll?», fragt sie. Ihre Antwort: Kontinuierliche Schulungen geben Selbstvertrauen. «Jeder möchte in einem Winning-Team arbeiten. Wenn wir einen Meilenstein erreichen, muss man das feiern, auch wenn es nur drei Monate gedauert hat.»
Klare Ausrichtung, klare Funktion: Infrastruktur für eine vernetzte Welt
Im Zentrum steht nicht der einzelne Kunde, sondern die globale Rolle von Nokia als Anbieter kritischer Netzwerkinfrastruktur. Nokia ist ein führender Anbieter von Konnektivität im Zeitalter von KI und stellt die technologischen Grundlagen bereit, auf die moderne Gesellschaften angewiesen sind. Diese Netzwerke bilden das Rückgrat für datenintensive Anwendungen und KI-basierte Systeme, bei denen Stabilität, Geschwindigkeit und Sicherheit nicht verhandelbar sind.
Community bauen und Hindernisse entfernen
Neben ihrer Arbeit bei Nokia ist Viktoria Mauz aktiv bei der Swiss ICT, Fachgruppe Innovation. Sie findet es wichtig, eine Community zu bilden, in der Fachleute über echte Themen sprechen, nicht nur auf Business-Ebene.
«Wir sind viel zu wenig Frauen in der Technik.», sagt sie. «Ich erzähle meine Geschichte sehr gerne, weil mein wirtschaftlicher Hintergrund und meine Begeisterung für die Technologie er mir ermöglicht, im Tech-Umfeld echte Wirkung zu schaffen.»
Setzt euch Ziele, vergleicht euch nicht mit anderen, sondern mit euch selbst.
Ihr Rat an junge Frauen ist dabei pragmatisch und persönlich: «Setzt euch Ziele, vergleicht euch nicht mit anderen, sondern mit euch selbst. Ich habe meinen ersten 10-Kilometer-Lauf gemacht, nicht um gegen andere zu gewinnen, sondern um mein eigenes Ziel zu erreichen.» Für sie ist es wichtig, dass Frauen verstehen, dass sie nicht perfekt sein müssen, um Teil der Tech-Welt zu sein – sondern dass es darum geht, den eigenen Weg zu finden und aktiv mitzugestalten.
Technologie mit Sinn
Viktorias Geschichte zeigt, dass Technik nicht im Vakuum existiert. Es braucht Menschen, die verstehen, warum etwas nicht funktioniert, und die bereit sind, Kultur und Prozesse zu verändern. «Ich möchte, dass das, was ich tue, einen Sinn hat. Und dieser Sinn liegt darin, die Gesellschaft voranzubringen, nicht nur den Code zu schreiben.»
Viktoria Mauz
Viktoria ist eine erfahrene Führungskraft im Bereich der digitalen Transformation, die sich für mehr Diversität in der Tech-Branche einsetzt. Als Account Manager bei Nokia verbindet sie Menschen, Organisationen und Technologie, weil sie überzeugt ist, dass echte digitale Transformation eine Frage der Kommunikation ist, nicht nur der Software.
Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich Viktoria Mitglied bei Swiss ICT im Bereich Innovation. Ihr Ziel ist es, eine Kultur zu schaffen, in der technische Innovationen einen echten gesellschaftlichen Mehrwert bieten und in der jede:r ihren Platz findet.

Das Interview führte Corina Schedler und im Rahmen der Initiative zur Gleichstellung in der Informatikausbildung erstellt, die vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) unterstützt wird.
