Vom Missverständnis „Maschinenbau“ zur klaren Mission: Technik baut nicht nur Maschinen, sondern hilft im Kampf gegen die Klimakrise.
Die Auseinandersetzung mit der Klimakrise war für Anna Remund (27) der Auslöser, sich beruflich im Bereich der erneuerbaren Energien zu orientieren. Die Frage, wer diese Technologien eigentlich entwickelt und betreibt, liess sie erst in Richtung Physik- und Elektrotechnikstudium blicken. Ein Gespräch an einem Familienfest brachte jedoch neue Perspektiven. Sie lernte, dass das Feld des Maschinenbaus deutlich breiter gefächert ist als der Name zuerst vermuten lässt. Es umfasst alle Ingenieursdisziplinen mit Ausnahme der reinen Elektrotechnik, Materialwissenschaft und des Baus.
Diese Information ordnete ihre Vorstellungen neu: Maschinenbau umfasst viele technische Disziplinen rund um Energie, Maschinen und Systeme – von Robotik über Medizintechnik bis zur Energie- und Gebäudetechnik. Auf dieser Grundlage entschied sich Anna für das Maschinenbau-Studium an der ETH Zürich und schlug damit ihre berufliche Richtung ein.
Missverständnis Maschinenbau
„Der Name des Maschinenbaustudiums schreckt ab“, sagt Anna. Doch die Realität erweist sich als vielseitig, digital und voller Möglichkeiten. An der Schnittstelle, wo Innovation entsteht, ist Anna mittendrin: Sie beobachtet Start-ups, die CO₂ aus der Luft filtern, und plant Systeme, die Häuser eigenständig denken lassen. So erlebt sie hautnah, wie Technologie unser Leben komfortabler und nachhaltiger macht.
„Ein technischer Beruf ist die beste Startposition, die du haben kannst“, sagt sie überzeugt. „Du kannst später in die Wirtschaft wechseln, forschen, unterrichten oder deine eigene Idee umsetzen. Du hast gelernt, Systeme zu verstehen – und das kannst du auf alles anwenden.“
Das riesige Potenzial unserer Gebäude
Nach ihrem Bachelor hatte sie die Möglichkeit, im Start-up Enerdrape, das geothermische Panels entwickelt, zu arbeiten. Dort hörte sie eine Zahl, die sie nicht mehr losliess: 35 % des weltweiten CO₂-Ausstosses kommen aus dem Gebäudesektor.
„Unsere Häuser sind ein riesiges Klimaproblem.“, sagt Anna. Um unsere Gebäude klimafreundlich zu machen, braucht es erneuerbare Technologien, effiziente Heizsysteme und intelligente Steuerungen. Heute ist Annas Mission klar: Sie will das enorme, oft unterschätzte Potenzial unserer Gebäude für den Klimaschutz nutzen. Nicht als abstrakte Aufgabe, sondern als handfeste Herausforderung.
Wenn Ingenieurwesen auf Code trifft
„Ehrlich gesagt, hatten wir im Maschinenbau-Studium wenig Informatik“, sagt Anna. Doch heute sitzt sie oft am Computer und programmiert. Sie baut eigene Tools, um zu berechnen, wie Gebäude energieeffizient werden können. „Ich wusste genau, welche physikalischen Formeln ich brauche. Aber wie ich den Code dafür sinnvoll strukturiere? Das musste ich mir selbst beibringen.“
Ist das ein Nachteil? Ganz im Gegenteil. Es ist der Beweis, dass Technik heute Teamwork ist. Anna zeigt uns: Du musst dich nicht entscheiden zwischen „Ich bin ein Technik-Mensch“ oder „Ich bin ein Computer-Mensch“. Die spannendsten Jobs liegen genau dazwischen.
Ob du nun zuerst coden lernst oder erst die Physik dahinter verstehst – beides bringt dich sehr weit.
Ein Vorbild für junge Frauen
„Es braucht Sichtbarkeit“, sagt Anna Remund. „Junge Frauen müssen sehen: Hey, da ist jemand wie ich. Sie kann das, es ist spannend und verändert die Welt.“
Vielleicht bist du diejenige, die später Lüftungsanlagen plant, die Energie sparen. Vielleicht baust du die Software, die Roboter steuert. Es geht darum, den ersten Schritt zu wagen. In eine Richtung, die Neugier und Faszination weckt. Die Technikbranche braucht Ideen und Mut, Dinge anders zu machen.
Technik mit Herz und Haltung
Anna Remund ist mehr als nur Ingenieurin. Sie zeigt uns, dass Technik nicht trocken ist, sondern voller Kreativität, Verantwortung und dringender Notwendigkeit steckt.
Ihre Botschaft ist einfach: Die Welt braucht Frauen in technischen Berufen. Sie braucht Menschen, die verstehen wollen, wie Dinge funktionieren. Die den Mut haben, sie zu verbessern. Und die wissen, dass sie damit einen echten Unterschied machen können.
Also, worauf wartest du? Schau dir ETH Ingenieurwissenschaften Studiengänge oder alternativ 42 Zürich an. Frag nach. Oder melde dich direkt bei Anna 🙂
Über Anna Remund
Anna ist Maschinenbauingenieurin, spezialisiert auf Gebäudetechnik. Sie verbindet technisches Know-how mit Software-Lösungen, um unsere Häuser klimafit zu machen. Als leidenschaftliche Stimme für mehr Frauen in MINT-Berufen zeigt sie: Technik hilft, die Klimakrise zu bewältigen.

Das Interview führte Corina Schedler
Dieses Porträt erscheint auf dem Blog von 42 Zürich im Rahmen des Projekts «Gleichstellung in der Informatik-Ausbildung» zusammen mit dem Eidgenössischen Büro für Gleichstellung.


