Von der Kindheitsneugier zur KI-Pionierin – Mascha Kurpicz-Briki

Schon als Kind interessierte sich Mascha für Technik. Was als spielerische Neugier begann, entwickelte sich zu einer leidenschaftlichen Karriere, die sie von der Privatwirtschaft in die angewandte Forschung führte.

„Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Informatik und Computer», erinnert sie sich zurück. „Das war der Grund, warum ich ein entsprechendes Studium gewählt habe. Nach einigen Jahren in der Privatwirtschaft bin ich heute Professorin für Informatik an der Berner Fachhochschule.»

Ihr Studium führte sie in den gemeinsamen Master der Universitäten Bern, Fribourg und Neuchâtel, wo sie an Anschluss an der Universität Neuchâtel promovierte. Ihre Dissertation beschäftigte sich mit einem Thema der Energieeffizienz von Rechenzentren. Was Mascha bewegt, ist die Frage wie diese Technologien die Gesellschaft verändern.

Die Kraft der klaren Sprache

In Interviews mit dem SRF, im Le Temps oder der Berner Zeitung erklärt sie: Wir sollten den Begriff „Künstliche Intelligenz» vorsichtig handhaben.

„Eigentlich ist die Bezeichnung nicht ganz zutreffend», erklärt sie. „Wir sollten uns fragen, ob es überhaupt erstrebenswert ist, eine Intelligenz zu erschaffen, die mit der des Menschen konkurriert. In der Forschung beschreiben wir diese Systeme daher oft als ‚Augmented Intelligence‘ oder ‚erweiterte Intelligenz‘.»

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass diese Systeme Werkzeuge sind. Sie berechnen Wahrscheinlichkeiten, keine Fakten. Wie Mascha betont: „Das Ziel eines Sprachmodells ist es nicht, faktisch korrekte Aussagen zu machen, sondern möglichst menschenähnliche Antworten zu geben. Ohne zusätzliche Daten ist seine Weltsicht stark eingeschränkt. Es weiss nur von Dingen, die in den Trainingsdaten enthalten sind. Ob sie stimmen, kann das System alleine nur beschränkt einschätzen.»

Ihre Botschaft ist daher eindringlich: „Künstliche Intelligenz sollte Menschen unterstützen und nicht ersetzen. Eine inhaltliche Prüfung und Einschätzung durch einen Menschen bleibt wichtig.»

Mehr als ein Chatbot: Das Buch für alle

Mit ihrem Buch „More Than a Chatbot: Language Models Demystified» (erschienen in englischer und deutscher Ausgabe) hat Mascha Kurpicz-Briki eine Lücke geschlossen. Sie richtet sich an die breite Öffentlichkeit – an Eltern, die sich Sorgen machen, an Führungskräfte, die Entscheidungen treffen müssen, und an alle, die neugierig sind.

„Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Tools wie ChatGPT oder Bard funktionieren, haben aber keinen technischen Hintergrund? Dann ist dieses Buch genau das Richtige für Sie», heisst es im Vorwort.

Das Buch entmystifiziert die Technologie Schritt für Schritt: Es erklärt, wie automatisierte Textverarbeitung funktioniert, wo die Fallstricke liegen und wie Vorurteile in den Trainingsdaten zu Diskriminierung führen können. Mascha zeigt auf, wie wir diese Tools verantwortungsvoll nutzen können, ohne die Kontrolle zu verlieren. „Nach dem Lesen dieses Buches werden Sie selbstbewusst an öffentlichen Diskussionen teilnehmen können. Sie werden die Risiken und Fallstricke verstehen und wissen, wie man diese Technologien verantwortungsvoll einsetzt.»

KI für alle zugänglich machen

„Ich habe Makubri Technologies gegründet, weil ich davon überzeugt bin, dass das Verständnis für die Macht und die Grenzen der KI jedem zugänglich sein sollte», erklärt sie. „Von Führungskräften, die die Zukunft gestalten, bis hin zu Eltern, die ihre Kinder durch die digitale Welt führen – KI verändert, wie wir leben und arbeiten. Es ist unsere Aufgabe, diese Veränderung zu begleiten und zu verstehen.»

Ihre Arbeit bei Makubri Technologies zeigt, wie man komplexe Themen verständlich macht – eine Fähigkeit, die in jeder Tech-Karriere gefragt ist. In diesem Zusammenhang hat sie ausserdem zwei Kinderbücher herausgegeben: mit Lilly dem kleinen Roboterauto entdecken 3-7 Jährige die Welt der Computer, und erfahren, wie die KI lernt.

Vielfalt ist eine Notwendigkeit

Mascha betont: Die Informatik ist ein Feld, das Kreativität, Logik und Empathie gleichermassen benötigt. Die Informatik bietet heute Jobs in den unterschiedlichsten Bereichen – von der Entwicklung energieeffizienter Rechenzentren über die Erkennung von Burnout-Symptomen in der klinischen Psychologie bis hin zur Analyse von Diversitäts-Bias in der Arbeitswelt. Wer heute in die Informatik einsteigt, gestaltet nicht nur Software, sondern löst konkrete gesellschaftliche Herausforderungen.

Ihre Erfahrung in der Forschung zeigt auch, wie wichtig Vielfalt ist: „Um Diskriminierung vorzubeugen, ist es wichtig, die Aufgabenbereiche der erweiterten Intelligenzen klar zu definieren. Aber noch wichtiger ist es, dass wir als Gesellschaft gemeinsam darüber sprechen, was wir wollen und was nicht. Das darf nicht nur eine kleine Gruppe entscheiden.»

Mascha Kurpicz-Briki ist überzeugt: Wenn Frauen nicht genug in der Informatik vertreten sind, verpassen wir die Chance, die digitale Zukunft aktiv und inklusiv mitzugestalten.

Ihre Erfahrung in der Privatwirtschaft und in der Forschung zeigt: Der Einstieg ist machbar, und die Lernkurve ist steil, und lohnend. Mit ihrer Gründung „Makubri Technologies» hat Mascha zudem gezeigt, dass man technische Expertise nutzen kann, um komplexe Themen für ein breites Publikum verständlich zu machen – eine Fähigkeit, die in jeder Tech-Karriere gefragt ist.